Eine Flaschenpost im Eismeer der Geschichte
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Erich Kästner hatte die zweifelhafte Ehre, dass seine Bücher in Deutschland zweimal verbrannt wurden:
Erste Eindrücke
Manche hatten große Zweifel, ob es anlässlich der Feierlichkeiten des Gründungsjahres Israels eine ausgewogene Berichterstattung in den Medien gäbe. Das können aber nur diejenigen behaupten, die schon immer der Meinung waren, dass Israel eine ausschließlich palästinische Heimstätte sei. Entschuldigung, ich schalte den Sarkasmusschalter jetzt wieder auf „Aus“.
Also gebe ich einmal meine persönlichen Eindrücke dazu wieder. Selbstverständlich habe ich aufgrund anderer Tätigkeiten und des schönen Wetters nicht alle Artikel und Sendungen verfolgt. Die großen Printmedien ignoriere ich hier, da diese jeder selbst im Netz nachlesen kann, und sich einen Reim darauf machen kann.
Eine TV-Produktion über Ariel Sharon war durchaus fair, weniger fair, aber tolerabel war eine Sendung über die besetzten Gebiete. Ich bin der letzte der behaupten würde, dieses Thema sollte ignoriert werden. Ein interessantes Interview mit Schimon Peres und ein paar alte Hollywoodstreifen. Eine Nachrichtensendung war sogar so offen, unter den palästinensischen Stimmen zu Israel immerhin eine zu zitieren, die nicht pal. Freiheitskämpfer lobte, sondern diejenigen pries, die Juden töteten. Ich hoffe, dass zumindest einige Zuschauer den feinen Unterschied zur Kenntnis genommen haben.
Die Provinzpresse brachte an fünf Tagen fast jeweils eine Seite über israelische und palästinische Themen im Verhältnis von ca. 80:20. Paßt, ist ok.! In der Jüdischen Allgemeinen fielen mir die fehlenden Grußadressen aus dem sozialdemokratischen Spektrum auf. Immerhin war die SPD die Partei von Annemarie Renger, Willy Brandt und Johannes Rau. Ein kleines kirchliches Wochenblatt brachte zwei ganzseitige Berichte eines Pfarrers über drangsalierte Palästinenser, einwenig garniert mit tiefgründiger Analyse darüber, dass es schließlich Extremisten überall gäbe, aber kein Wort dazu, dass in Israel der Zugang zu den heiligen Stätten der drei großen monotheistischen Religionen heute so frei ist, wie er nie zuvor in der Geschichte war.
Skandinavien habe ich nicht so intensiv verfolgt, eigentlich fast nur schwedische Medien. Das Thema hat dort verständlicherweise weniger Bedeutung. Fast alles hatte die opt zum Diskussionsgegenstand. Das Radio brachte eine Produktion mit dem Grundtenor Apartheid. Unter anderem beschwerte sich ein, an einer israelischen Uni studierender, Palästinenser darüber, dass die Mutter seiner ehemaligen israelischen Freundin ihn angeblich nicht völlig akzeptierte. Sehr bemerkenswert, das kann er zwar überall haben, dazu braucht es nicht einmal eines Palästinensers und einer jüdischen Schwiegermutter in spe, aber vielleicht würde das dann nicht jeden interessieren. Nach einer Viertelstunde habe ich abgeschaltet. Dann noch zwei ziemlich kontroverse Diskussionen, natürlich auch mit kritischen jüdischen Stimmen und selbstverständlich auch mit “wahren Freunden Israels”. Es wundert mich immer wieder, wenn Araber, denen es bisher selbst im friedlichen Umfeld, noch nie gelungen ist, ein nachhaltigstes demokratisches und an den Menschenrechten orientiertes Staatswesen aufzubauen, dem israelischen Staat, nonchalant und permanent den demokratischen Charakter absprechen. Und immer noch warte ich, und einmal mehr wundere ich mich, warum ich keine kritischen arabo-palästinische Stimmen hören darf und keine “wahren Freunde Palästinas” sehen kann?
Was mir ebenfalls hier wie dort fehlte, waren Berichte über die Landschaft, Fauna und Flora und erfolgreiche Bemühungen im Umweltschutz, Berichte über die Israels Erfolge im wirtschaftlichen Strukturwandel, vielleicht kleine Filmchen über die Hand-in-Hand-Schulen, Facetten des Kulturlebens oder beispielsweise über die Drusen. Und dass ich gerne, außer dem Blaumilchkanal, auch andere Komödien und Spielfilme zur normalen Abendsendezeit gesehen hätte, muss ich wohl meiner „zutiefst fanatischen pro-israelitischen Haltung“, keinesfalls aber der fehlenden Informationspflicht der Medienanstalten zuschreiben. Dafür hatte ich das Vergnügen „Paradise Now“ freiwillig verpassen zu können. Immerhin eine beinahe versöhnliche Zwischenbilanz. Verflixt, bin ich doch soeben noch einmal an den Sarkasmusknopf gestoßen.
Eine Antwort
Manchmal hört man aus den Worten junger Menschen die Reden ihrer Großeltern. Leider geben sie ihren Enkeln wohl selten Antworten wie diese:
„Das Wiedersehen glich einem Sketch: Im ganzen Haus, das während der Nacht von der US-Army beschlagnahmt worden war, liefen amerikanische Soldaten herum. Das große Wohnzimmer war zu einer Art Clubraum umfunktioniert, in dem getanzt wurde, ein anderes Zimmer zu einer Meldestelle. Dort wusste man Rat: „The old man?-Downstairs!“ Der Daumen zeigte in den Keller. Dort saß er dann, mein geliebter und bewunderter Doktorvater, aufrechter Antinazi und Beschützer vieler durch die Rassegesetze gefährdeter Studenten, zusammen mit seiner Frau auf Klappstühlen, mitten unter gehorteten Briketts, und begrüßte mich zum ersten und letzen Mal mit einem sarkastischen-drolligen „Heil Hitler, Fräulein Brücher“ Dann lachten wir befreit und beratschlagten, was zu tun tun sei. …
Zunächst einmal war ich einfach glücklich, dass es vorbei war- und ich strotzte voller Erwartungen und Tatendrang. Nie wieder in meinem Leben habe ich so intensiv gefühlt, was es heißt weiterleben zu dürfen- frei leben zu dürfen, ohne Ängste- in unendlicher Dankbarkeit und in der unerschütterlichen Hoffnung auf eine bessere Zukunft. …
Alles in allem lag der geistige-politische Neuanfang auf wenigen Schultern und begann auf schwachen Füßen. Ob wir, die Demokraten der ersten Stunde, es ohne den Rückhalt der westlichen „Sieger“ alleine geschafft hätten? Ich habe große Zweifel!“
Aus: Hildegard Hamm-Brücher, Freiheit ist mehr als ein Wort. Eine Lebensbilanz
Flowerkraut gratuliert damit zugleich Frau Hamm-Brücher zu ihrem morgigen Geburtstag.
Herzlichen Glückwunsch, Israel
Der 1. Mai in Weißrussland …
… oder Lukaschenka mag keine Europafahnen! Man kann den 1.Mai so feiern wie das in Kreuzberg oder Hamburg anscheinend so üblich ist, oder auch anders:
In der kleinen Stadt …
… einiger meiner Vorfahren wurde auch Hedwig Krakowski geboren. Ihr Vorname war so deutsch wie die meiner Vorfahren. Ihr Nachname war für deutsche Zungen weit leichter auszusprechen als der Familienname einiger meiner Vorfahren.
Zusammentreffen
Walpurgisnacht ist schon vorbei und außerdem hat Liverpool
verloren, deshalb gibt dazu keine Musik (Bayern verliert auch, eine russische Mannschaft mit holländischen Trainer könnte auch ein schwerer Brocken (Walpurgis!) bei der EM werden).
Zu Himmelfahrt etwas aus good old Amiland.
Der 1.Mai stellt klar, links macht bessere Musik – eine globale Konstante.
Und den Vatertag lassen wir ganz langsam und
ganz, ganz lange auusskkkllliiiinnnngggggeeeeennnnnnn.
Ewige Unfehlbarkeit
In Insiderkreisen ist dieses Phänomen als „playing with God“ bekannt.
In dem vorherigen Beitrag habe ich am Rande darüber berichtet, dass im Schach alle Stellungen mit fünf bzw. sechs Steinen endgültig gelöst sind. Das heißt, in diesen Stellungen ist die absolute Wahrheit definitiv bekannt! Es lässt sich zu jedem möglichen Zug genau sagen, ob er verliert, unentschieden hält oder ob er gewinnt, und außerdem in wieviel Zügen das Matt erfolgt!
Wer möchte kann dies online bei shredderchess ausprobieren. Einfach eine Stellung mit fünf oder sechs Figuren eingeben und staunen. Für die letzte Schachaufgabe gibt es folgendes Resultat:
Th1-d1 Gewinn in 19
Th1-h5 Gewinn in 23
Th1-b1 Gewinn in 24
Schach im Orient
Im diesem dritten Beitrag anlässlich der diesjährigen Schacholympiade in Dresden, schauen ich einmal kurz zurück auf die Anfänge dieses Spiels. Über die Ursprünge und Ursprungsorte des Schachspiels können, wen wundert es, Experten trefflich streiten. Indien, Persien oder vielleicht doch der ferne Osten?
7. Jahrhundert? Oder doch etwas früher? Welche altertümlichen Spiele können ernsthaft als frühe Schachvarianten gelten? Wer sich für geschichtliche Detailarbeit interessiert findet in den Links erste Anregungen zur weiteren thematischen Vertiefung.
Auf jeden Fall - das Spiel wurde bald durch islamische Kaufleute, Krieger und Pilger in viele Länder getragen und auch bis in die westlichen Zipfel Europas nach al-Andalus, also Spanien, verbreitet. Die besten Spieler ihrer Zeit al-Adli, al-Bakr as-Suli, al-Razi verkehrten an den Höfen der Herrscher. Aus arabischen Handschriften stammen auch einige der frühesten schachtheoretischen Erörterungen: Pfiffige Kombinationen, beliebte Spieleröffnungen, Endspielprobleme (so auch die Aufgabe am Schluss des Beitrages).
Heute gibt es nur noch wenige orientalische Schachmeister von Weltgeltung. Der in England lebende Syrer Philipp Stamma war einer der stärksten Spieler des 18.Jahrhunderts und Yasser Seirawan, ein in Syrien geborener Amerikaner, war in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts dem Weltmeisterthron recht nahe gekommen. Der Tiefpunkt war 1980 erreicht, als im Iran das Schachspielen unter Strafandrohung verboten wurde. In jüngster Zeit versucht der iranische Schachverband langsam wieder an alte Traditionen anzuknüpfen. Vielleicht ist auch der Juniorenweltmeister Ahmed Adly aus Ägypten ein neuer kleiner Schachstern aus dem Morgenlande.
Das Schlusswort dieses Beitrages hat der große persische Mathematiker, Astronom, Dichter, Skeptiker und Freund des guten Weines Omar Khajjam (auch Omar der Zeltmacher genannt) , welcher uns folgenden schönen Vers geschenkt hat:
“Welt ist ein Schachbrett, Tag und Nacht geschrägt,
Wie Schicksal Menschen hin und her bewegt,
Sie durcheinander schiebt und schlägt,
und nachher in die Schachtel legt.”
Die Aufgabe:
stammt aus einer arabischen Handschrift aus dem Jahre 1140 und geht höchstwahrscheinlich auf eine Untersuchung des Meisters al-Adli im 9.Jahrhundert zurück.
Könige, Türme und Springer bewegten sich zur damaligen Zeit in der gleichen Art und Weise wie das heute der Fall ist, so dass wir dieses Problem genauso wie damals lösen könnten. Die Springerpartei hat überhaupt nur 8 mögliche Mattstellungen und ein Turmgewinn würde der Springerpartei nach heutigen Spielregeln keinen Gewinn sichern, da der Springer nur mit Königshilfe allein nicht mattsetzen kann. Demgegenüber kann die Turmpartei auf Springergewinn und auf Matt spielen um die Partie für sich zu entscheiden. Trotzdem ist das Endspiel Turm
gegen Springer meist remis (unentschieden). Hier allerdings sind die schwarzen Steine so ungünstig positioniert, dass Weiß gewinnen kann. Selbstverständlich sind mehr als eine Variante denkbar und erfolgreich.
Vor knapp tausend Jahren waren dies erste wegweisende Schachgedanken, seit 300 Jahren wurde das Thema in einigen Büchern verallgemeinert und heute erledigt ein handelsübliches Schachprogramm diese Probleme in weniger als 10 Sekunden, bzw. alle möglichen Fünfsteiner sind auf Datenbanken komplett und endgültig gelöst, letzteres hat aber mit dem Orient nichts mehr zutun. (Lösung -eher schwierig- im Kommentar).
Zum Welttag des Buches
Missing Numbers
Seit Ende 2005 regiert in Berlin die große Koalition. Seitdem sind rund um die Region Mecklenburg-Vorpommern ungefähr hundert Selbstmordattentate verhindert und ungefähr 400 Selbstmordattentäter verhaftet worden. Viele der mutmaßlichen Täter konnten bei der Vorbereitung oder Durchführung ihrer Aktionen lebend festgenommen werden. Nach unterschiedlichen Schätzungen sind auf diese Art und Weise zwischen 500 und 15.000 Menschen gerettet worden. Die letzte Schätzung liegt beispielsweise höher als die Opferzahlen im Kosovokrieg. Diese Meldungen finden meist leider keinen Weg in die Medien. Im Gegenteil das Land wird oft negativem Licht dargestellt. Während die fortdauernden feindseligen Aktivitäten oft verschwiegen oder verharmlost werden.
Alles unklar? Haben Sie etwas verpasst? Möglicherweise! Also gut … ab dem zweiten Satz beziehen sich die Aussagen auf Israels Auseinandersetzung mit palästinensischen Terrorgruppen, nachzulesen in diesen beiden Reports. Wohlgemerkt diese Zahlen beziehen sich hauptsächlich auf das “moderate” Westjordanland und beinhalten nicht die Tausenden von Raketenabschüsse, Scharfschützenüberfälle und Mörserattacken, sondern nur die Selbstmordattentate, also Aktionen bei denen ein direkter menschenverachtender Hass das Handeln bestimmt. Darüber könnten beispielsweise all diejenigen -wie der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter -nachdenken, die sich regelmäßig über die “unverhältnismäßigen Aktionen” der israelischen Sicherheitsorgane echauffieren. Dutchblog Israel hat in dem Beitrag „With such friends…“ dargelegt, dass selbst diese Anschuldigen einer fundierten Grundlage entbehren.
Ein Kreislauf des Lebens
Ein Kreislauf der Eitelkeit
Einige Dinge verstehe ich trotz ausgiebiger Erklärungen nicht. Aber bleiben wir ohne Groll gelassen und singen dem Paten III. ein hübsches Liedchen.
Der Anti-Rüpel
Wer noch zur Schule geht, mochte heute wohl gern den Tag gegen das Lern(en) begehen, aber es ist der „Tag gegen den Lärm“. Nun gibt es nach meinem Empfinden zu viele der Tage für oder gegen irgendetwas, aber vielleicht kann man diese Namensgebung zum Anlass nehmen um an einen der frühesten Aktiven gegen die akustische Umweltverschmutzung zu erinnern. Es war der eigenwillige Philosoph, hellsichtige Essayist (sehr schön sind auch seine Tier- und Naturgeschichten), Polemiker und Graswurzelpolitiker Theodor Lessing, der –und darüber berichtet unser aller wikipedia wenig- im Deutschen Lärmschutzverband und in dessen Zentralorgan, dem „Anti-Rüpel“, früh auf dieses und anderswo auf andere andere Problemfelder aufmerksam machte. Theodor Lessing wurde 1933 im Exil von Nazischergen ermordet.
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